Michel Rolland wuchs auf einem bescheidenen Weingut in Pomerol auf. Ende der 1960er absolvierte er ein Önologie-Studium in Bordeaux, wo Emile Peynaud gerade die wissenschaftlichen Grundlagen erheblich weiterentwickelt hatte. An der Universität lernte er seine zukünftige Frau kennen, der Beginn einer lebenslangen, höchst erfolgreichen Partnerschaft.
„Als ich anfing, in meinem winzigen önologischen Labor in Libourne, brachten mir die Weingutsbesitzer nach der Lese Proben ihrer Weine zur Analyse. Ich hätte noch eine ganze Weile so weitermachen können, aber was mich wirklich interessierte, war, warum ein Wein so vielversprechend schien, während ein anderer bei weitem nicht das gleiche Potenzial hatte.“
Dieses Interesse motivierte Rolland dazu, darüber nachzudenken und genau zu beobachten, was eine Traubenernte zu einem großartigen Jahrgang macht. „Ich stellte schnell fest, dass alle großen Weine gemeinsame Merkmale aufweisen: geringe Erträge an konzentrierten Trauben und eine Vegetationsperiode mit einem perfekten Gleichgewicht zwischen Sonnenschein und Regen, was eine gute Reifung begünstigt.“ Sein Credo war definiert. Anstatt alles dem Zufall zu überlassen, erkannte er, was während der gesamten Vegetationsperiode getan werden kann, um perfekt gereifte Früchte zu erzielen.
Dank seiner weitreichenden Erfahrung gelang es ihm, Techniken zu perfektionieren, die die natürliche Fruchtigkeit und Qualität eines Weins bewahren: Grünlese, Laub-Management, das Erkennen des optimalen Reifepunkts, das Saignée-Verfahren (Abziehen von Most aus den Gärbehältern), verlängerte Mazeration, erhöhte Gärtemperatur, manuelles Entrappen, die Einführung von Zweitweinen und der Ausbau in neuen Barriques. Dies alles war zu jener Zeit revolutionär.
Schon früh lernte er den US-amerikanischen Rechtsanwalt Robert Parker kennen, der gerade die Weinkritik revolutionierte und einen enormen Einfluss auf Kaufentscheidungen von Weinfreunden nahm. Es entwickelte sich eine kongeniale Symbiose: Rolland produzierte genau den Weinstil, den Parker favorisierte. Weine mit hoher Konzentration, sehr reifer Frucht, reichlich runden Tanninen und edlen Holznoten.
Von Bordeaux ausgehend exportierte Rolland seine Beratertätigkeit in weitere Regionen und trug damit zur qualitativen Aufwärtsentwicklung der Weinproduktion im Super-Premium Segment bei. Andererseits brachte ihm das den Vorwurf der gleichmacherischen Internationalisierung ein.
Neben seiner Beratertätigkeit war Rolland auch selbst Weinproduzent, unter anderem in Pomerol mit Bon Pasteur, in Fronsac auf Fontenil.
Mit dem Rücktritt von Robert Parker und dem Aufkommen der naturalen Weine hat sich der Publikumsgeschmack verändert. Die Weinwelt wurde vielfältiger und die stilistische Hegemonie ist Vergangenheit.
R.I.P.
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