Die Lutzmannsburg Affäre
Die professionelle Weinkritk schwärmt von dem Wein. Der 2023er Jahrgang des Lutzmannsburg Alte Reben von MORIC, aka Roland Velich aus dem Burgenland, erhielt wie in den Vorjahren durchweg hohe Bewertungen, der renommierte Weinautor Stuart Pigott, der den Wein für das Portal James Suckling verkostete, vergab sogar die Traumnote von 100 Punkten. Mehr geht nicht ! Der erste Rotwein aus Österreich, dem diese Ehre zuteilwurde !
Roland Velich kommentierte die historische Bewertung ganz bescheiden: „Wir bemühen uns nach Kräften, dass unsere Weine ihre Herkunft in optimaler Weise zum Ausdruck bringen. Wenn diese Botschaft auf offene Ohren stößt, fühlen wir uns – aber auch die Herkunft Burgenland – geehrt und vor allem: verstanden.“
Doch dann trat die Qualitätswein-Prüfung auf den Plan und die Prüfer lehnten den Wein als untypisch und fehlerhaft ab. Das gleiche Ergebnis gab es beim zweiten Anlauf. Als Konsequenz daraus darf der Wein nicht als Qualitätswein vermarktet werden, wodurch auch die Herkunftsbezeichnung Lutzmannsburg nicht verwendet werden darf. Nicht einmal die Nennung Burgenland ist erlaubt.
Beim Fußball würde man von einem Eigentor sprechen…
Im Vorfeld der Weinmesse VieVinum lud Velich Mitte Mai zu einer Pressekonferenz, um auf die offensichtlich nicht zielführende Verkostungspraxis der Qualitätsweinprüfung hinzuweisen. „Die berühmtesten und teuersten Weine der Welt werden so produziert. Hier in Österreich werden sie als fehlerhaft disqualifiziert“
Die für die Misere Verantwortlichen fühlen sich zu Unrecht angegriffen und schlagen zurück:
„Es ist nicht das erste Mal, dass ein Wein bei der sensorischen Prüfung durchgefallen ist und bei anderen Verkostungen als ganz großer Wein erkannt und bewertet wurde. Allerdings haben die Prüfer pro Probe nur etwa eine Minute Zeit für ihre Bewertung. Für ein extrem subtiles Herauskosten von überdurchschnittlichen Impressionen fehlt schlichtweg die Zeit. Realistisch betrachtet werden über tausend Weine sorgsam und so gut wie möglich von Fachleuten bewertet. Die Ergebnisse dienen durch den geschaffenen Mehrwert besseren Erlösen. Dieses System hat sich absolut bewährt. Dass unter diesen tausenden Proben jährlich zwei oder drei in ihrer Größe nicht erkannt werden, ist bedauerlich, aber nicht veränderbar. Zu mehr als 99 Prozent ist dieses System für die Betriebe ein bewährter Erfolgsweg – warum also etwas ändern?“
https://der-weinbau.at/die-grosse-erregung/
„Offenbar wollten die Organisatoren dieser Inszenierung die mediale Aufmerksamkeit rund um die VieVinum nutzen und den österreichischen Wein beschmutzen.“
Aus dem Statement im Weinbau spricht eine utilitaristisch motivierte Hilflosigkeit, nach der die meisten Winzer von der Qualitätsweinprüfung profitieren oder zumindest keinen Schaden davon haben. Der von Vinaria erhobene Vorwurf der „Nestbeschmutzung“ hingegen ist hochgradig diskriminierend und abwertend gemeint. Brauner Schleim, gegen den Roland Velich jetzt juristisch vorgeht. Gut so!
Dass ambitionierte Weine bei der Qualitätsweinprüfung durchfallen, ist nicht neu: Anfang der 90er Jahre wurden Weine, die im Barrique ausgebaut worden waren, von Prüfkommissionen abgelehnt, in den 10er Jahren traf es -und trifft es bis heute- Weine aus naturaler Produktion, zum Beispiel spontan vergorene Weine, Weine ohne kellertechnische Korrekturen bei Säure- und Alkoholgehalt, maischevergorene Weißweine, Weine ohne oder mit nur minimaler Schwefelgabe. Je deutlicher die geschmackliche Abweichung vom massenhaft geprüften Mainstream ist, desto höher die Gefahr einer Ablehnung.
Neu oder zumindest höchst ungewöhnlich ist die Tatsache, dass es mit dem Lutzmannsburg Alte Reben einen Wein trifft, der seit mehr als 20 Jahren auf die gleiche Art und Weise erzeugt wird und dessen Stilistik mittlerweile auch vielen anderen Erzeugern als Vorbild dient.
Der ahnungslose Konsument soll durch die Qualitätsweinprüfung vor untypischen Weinen geschützt werden. Bloß welcher ahnungslose Konsument kauft einen Wein, dessen Preis deutlich über dem Durchschnittspreis liegt? Und welcher Konsument kauft noch einmal einen Wein, dessen Geschmack und dessen Preis-Leistungsverhältnis ihn enttäuscht hat? Zur Einordnung: der Exportwert pro Liter österreichischer Wein in die Top-10 Abnehmer-Länder lag 2023 bei 3,80…
Fazit: nicht verkehrsfähige Weine dürfen nicht in den Verkauf kommen. Die Herkunftsregionen haben viele Vorgaben, wie Höchsterträge, Rebsorten usw.
WIE ein Wein zu schmecken hat, sollte in Zukunft allerdings keine Haupt- und Staatsaktion mehr sein!
Zusammen mit Armin Tement und Andreas Wickhoff vom Weingut Bründlmayr hat Velich einen offenen Brief zum Thema aufgesetzt:
https://drive.google.com/file/d/1Px_XxKscWSuTrsMPhT62o4qqxZksiYTl/view
Der Aufruf kann gezeichnet werden unter: https://docs.google.com/forms/d/e/
Verfügbare Jahrgänge des Lutzsmannsburg Alte Reben: https://shop.weinundglas.com/


